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exhausted

I can't take it anymore

Ich kann irgendwie noch immer noch nicht wirklich begreifen, was vorhin passiert ist. Obwohl ich - again - heute mal wieder totmüde war, hatte ich eigentlich recht gute Laune, vor allem nachdem in der Arbeit die Tusse vom Fisch zu mir kam und meinte, ich wäre ab Januar bei ihr - sprich ich hab meine Probezeit wohl wirklich bestanden und sie übernehmen mich - das hat mich echt erleichtert.

Irgendwann am Nachmittag hab ich dann ne SMS bekommen von Christa (sie is grad in Bayreuth weil ihr Vater ein Blutgerinsel im Gehirn hatte und deswegen mitm Notarzt ins KH musste, was an sich ja schon schlimm genug is - die Tatsache, dass der arme Mann die letzten Jahre mehr im KH verbracht hat als zu Hause wegen Krebs, ner gerissen Ader in der Speiseröhre etc, noch viel schlimmer), dass es ihr beschissen geht.

Ich weiß ich bin n egoistischer Mensch wenn ich zugebe, dass ich die SMS gelesen und sofort gelöscht habe mit den Gedanken "also wie immer und ich will mir jetzt nicht die Stimmung davon kaputt machen lassen". Ich weiß nicht ob ich Christa in den 7 Monaten je einen Tag vollkommen glücklich oder zu mindest mal nicht depressiv gesehen habe. Sie ist immer in ihren Gedanken gefangen, wertet alles was sie tut und denkt ab, macht sich selbst schlecht, zweifelt permanent an sich, zieht immer ein Gesicht wie 7 Tage Regenwetter - ich gebe mir wirklich Mühe, sie dann zu unterstützen, aufzumuntern, für sie da zu sein, ihr zu zuhören, sie in den Arm zu nehmen usw usf.

Aber es gibt auch Tage, an denen geht es mir einfach auch mal nicht so gut oder ich bin einfach nur kaputt von der Arbeit - nicht depri oder so, einfach nur ausgelaugt, dass ich stellenweise wirklich anstrengen muss, die Starke für uns beide zu spielen, für sie mit zu kämpfen, sie zu stützen und oft auch ein Stückchen zu tragen.

Dann ruft sie mich vorhin an und plötzlich habe ich das Gefühl, die Welt bricht über mir zusammen. Sie sagt ihr gehts wirklich schlecht, das ihre Therapeutin sie am Donnerstag, bevor sie nach Hause gefahren ist, sie eigentlich für 2 Wochen zur Akutbehandlung in eine Psychiatrie stecken wollte weil sie Christa als akut Suizid gefärdet einstuft. Christa sagt, sie hätte in den letzten Wochen nie wirklich gezeigt wies ihr geht (allerdings hat sie immer gezeigt, dass es ihr nicht gut geht nur offensichtlich nicht das volle Ausmaß) und jetzt erzählt sie mir das alles - am Telefon - hunderte Kilometer von mir entfernt und sagt mir ich soll mir keine Sorgen machen! Ja nee is klar! Ich bin jetzt natürlich die Ruhe selbst, is ja logisch oder?

Ich hab dann mal wieder als erstes wütend reagiert - meine erste Reaktion auf alles und sie meinte, sie is froh dass sies mir übers Telefon sagt und mir nicht gegenüber sitzen muss wenn ich so bin. Ja danke. Ich weiß selber das ich in gewisser Weise überreagier aber verdammt wir reden hier von Selbstmord - davon, dass ich mal wieder die ganze Nacht nicht schlafen werde können weil ich fast sterbe vor Sorge um sie, weil mir die Wörter "Suizid" "akut" "Psychiatrie" jetzt im Hirn kreisen.

Ich weiß nicht wie das von hier weiter gehen soll - ich kann nicht mehr für sie mitkämpfen, ich hab selbst wirklich genug zu tun - die Ausbildung fordert genug Kraft und Zeit, ich hab da nicht mehr genug übrig ihre ständige Depression mitzutragen, ihr immer wieder gut zu zureden, sie zu sehen mit diesem traurigen Gesicht, in ihren Augen zu sehen, dass sie mal wieder in ihren Gedanken gefangen und von ihnen gefoltert wird.

Ich finds irgendwie egoistisch, mir das alles aus dieser Entfernung zu sagen und ich finds auch egoistisch immer mit Sätzen wie "Ich habe Angst, dass du weg bist wenn ich dir so was sage". Ich möchte sicher nicht weg sein aber wenn das so weiter geht - wenn sie nicht endlich mal die Kurve kriegt, mal mehr als ein paar Stunden hat an denen sie nicht depri vor sich hin guggt und alles analysieren muss, sich selbst anwertet, alles zu ernst nimmt und sich selbst damit verrückt und kaputt macht - dann macht sie mich damit früher oder später auch kaputt und allein der Gedanke, Schluss zu machen ist ja schon fast unmöglich weil sie mir immer wieder mit Sätzen kommt wie "Wenn du weg wärst, wüsste ich nicht wie ich überleben soll".

Ich könnt grad nur noch heulen - ich kann so einfach nicht mehr. Ich kann nicht mehr, mir ist mein Leben schon zu viel, ich komm mit ihrem nicht auch noch klar und ich möchte mein Leben auch endlich mal so weit in den Griff kriegen, dass ich mal wirklich zusammenhängende Tage habe, an denen ich zu mindest nichts habe das einfach nur scheiße is, an denen ich sagen kann "Der Tag war okay" ohne dass sie mich dann Abends wieder runter zieht. Ich bin müde - einfach nur müde von der Krankheit, dem Symptomatiken, Problemen, Analysen des Lebens, dem ewigen hinterfragen "warum, wieso", dem ständigen Kampf mit mir, der Krankheit, meiner Umwelt. Ich kann nich mehr...

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